Berit Kröll
Ev. Kirchengemeinde Aulendiebach
Jutta Savarino
Öffnungszeiten:
Dienstag & Donnerstag: 11:00 - 13:30 Uhr
Kirchenvorstand
Barbara Scheffler
Auf einer kleinen Anhöhe am nördlichen Ortsrand steht die Kirche. Bis heute sind ihre Anfänge und ihre Geschichte nicht gründlich erforscht, sodass vieles vage bleibt.
Dem heutigen Kirchengebäude ging wohl eine ältere Kirche voraus, die den „Vierzehn Nothelfern“ gewidmet war. Dies ist eine Gruppe von Heiligen mit unterschiedlichen Zuständigkeiten. Je nach Notlage, in der sich ein Mensch befand, konnte er seine Bitte um Hilfe gezielt an einen von ihnen richten. Aus einem Kaufvertrag von 1589 geht hervor, dass die Erträge eines Ackers dem Altar der Kirche zugute kommen sollte. Dieser Acker wurde dann der „Sankt-Gehülfsacker“ genannt.
Durch die Reformation wurde die Kirche evangelisch. Im heftigen Streit der verschiedenen evangelischen Richtungen stand die Grafschaft Ysenburg auf der Seite der Reformierten. Der erste evangelische Pfarrer hieß Georg Kune. Seine Amtszeit dauerte von 1544 bis 1555.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche so stark beschädigt, dass in ihr kein Gottesdienst mehr sein konnte. Um die Kirche wieder aufzubauen, wurde eine Sammlung beschlossen. Der Kirchenrechner Cuntz Heilmann machte sich auf die Reise. Im Herbst 1658 zog er durch den Taunus, das Maintal und das Kinzigtal. Die Kirche konnte so wieder instand gesetzt werden. Manches aus alter Zeit ging dabei aber wohl endgültig verloren.
Seit vielen Jahren wird in Aulendiebach eine Geschichte unter den Leuten erzählt, einst zu lesen in Akten aus dem 17. Jahrhundert, die seit dem 1. Weltkrieg verschwunden sein sollen. Die Akten berichten aus den Jahren 1626 – 1629, also aus den Zeiten des Dreißigjährigen Krieges.
Damals zerstörte ein kaiserlicher Hauptmann Dorf und Kirche, die Bewohner sollen in die Wälder des Betten geflohen sein.
Bis zum Ende des Krieges lag die Kirche bis auf die Grundmauern zerstört da. Im Inneren wucherte wildes Grün und die Witterung fraß an Stein und Mörtel.
Als endlich Frieden geschlossen war, kam eines Tages ein aus dem Dienst entlassener kaiserlicher Obrist an der Kirche vorbei. Er ritt in Begleitung einer Frau (ob sie seine Frau war, verschwiegen die Akten) und war auf dem Weg nach Süden, offenbar in Richtung seiner Heimat, um sich nach vielen Jahren des Umherstreifens, des blutigen Kampfes und der Zerstörung eines friedlichen und aufbauenden Daseins hinzugeben. Angesichts der Ruine des Gotteshauses kam dem Obristen im Gespräch mit seiner Begleiterin die Frage, wer wohl die Schandtat der Zerstörung begangen haben könnte.
Durch ein Gebüsch von den Beiden getrennt, so berichteten die Akten, soll der Pfarrer unfreiwilliger Zeuge des Gesprächs gewesen und interessiert näher getreten sein. Er erkannte zu seiner großen Überraschung in dem Obristen jenen kaiserlichen Hauptmann, der Jahrzehnte zuvor die Kirche hatte zerstören lassen.
Der Obrist, der sich an jene Vorgänge nicht mehr erinnern konnte, zeigte sich sehr betroffen und bot dem Pfarrer einen Beutel Dukaten, damit man den von ihm verursachten Schaden wieder gutmachen möge.
Noch heute kann man an der Kirche feststellen, wo auf den Umfassungsmauern für den neuen Dachstuhl aufgemauert worden ist. Von der Stiftung des Obristen wurde auch eine silberne Glocke angeschafft, die aber leider einer Diebesbande um das Jahr 1700 in die Hände fiel.
Die Akten sollen auch berichtet haben, dass die Anfänge der Kirche bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen. Niemand weiß aber zu sagen, wo die Akten abgeblieben sind.
Durch die Jahrhunderte hindurch gehörte die Aulendiebacher Kirche zu Rohrbach. Bis auf wenige Ausnahmen waren die Rohrbacher Pfarrer auch für Aulendiebach zuständig. Predigtdienst war zunächst nur an wenigen Sonntagen im Jahr für den Pfarrer vorgeschrieben. Ab 1716 musste er „alle Festtage“ zur Predigt erscheinen; ab 1749 alle 14 Tage zu den „Mittwochsbettagen“ und später auch öfter.
Die Kirche wird von einer hohen Wehrmauer mit Schießscharten umgeben. Sie geht wohl auf das 15. Jahrhundert zurück. Zum Ort hin hat sie ein spitzbogiges Tor mit dem Ysenburgischen Wappen. Innerhalb und außerhalb der Wehrmauer liegt der Friedhof.
Vor dem Tor steht eine mächtige Rosskastanie, die als Naturdenkmal ausgewiesen ist. Nach Auskunft der unteren Naturschutzbehörde wurde sie 1856 gepflanzt. Sie ist von einer steinernen Ruhebank umgeben, die die Jahreszahl 1858 aufweist. Vermutlich befand sich an ihrem Platz bereits im späten Mittelalter eine Kastanie, bei der zu Gericht gesessen wurde.